Of Things to Come

Of Things to Come

Es soll schlimmer werden für uns alle. Das sehen die Planungen vor.

Man tut so, als habe man verstanden. Man nickt sich zu und lächelt abgeklärt.
Das Gesicht bleibt gewahrt. Auch das Zittern ist fast gar nicht zu sehen.

Der Gewinner ist eiskalt. Nur der Nazi, der menschelt.

Three Cool Cats

Three Cool Cats

Noch sind wir da, wenn auch vom Alltag geschunden und von Söldnern umringt. Die Wünsche möchten artikuliert werden. Wer das im Hinterkopf behält, sieht einiges klarer.

Jeden Tag bunkere ich Schuld durch Nicht- oder Falschtun. Dazu muss ich mir ein „Richtig“ imaginieren, das gerade so diffus definiert ist, dass es immer das Gegenteil von dem bleiben kann, was ich gerade mache. Kafka, ich kann dich trampeln hören!

Gekrochen kamst du später, hättest gern genippt an der Gleichgültigkeit, die du nicht einmal als gespielt erkanntest. Lausig warst du in all deinem Tun. Hoffentlich starbst du von Askese zerfressen.

Aufwendungen pfeifen

Aufwendungen pfeifen

Hudannit. Wer war’s und wen juckt’s? Am Ende wird gebeichtet und zurückgetreten ins imaginierte Glied. Es war ein Unfall, Herr Kommissar, der Tod nur ein Versehen. Aber abgeführt werden muss oder gestorben von fremder, manchmal auch eigener Hand. Das Schuldgefühl hat sich als Gleit- und Bindemittel historisch bewährt und verlangt nach Sühne wie das Ausstellen von Reue nach Autorität. Die Pflicht zum Habenwollen ist nun einmal keine Erlaubnis zum Habendürfen und schließlich der Witz an der ganzen Sache.

No rest for the wicked. Der Kapitalismus verschleudert seine Ressourcen. Erschöpfung macht sich breit. Alle gehen hustend und geduckt, die Ernüchterung im Blick. Die Viren haben leichtes Spiel.

Filmlogik: Die Wahrheit muss der Bevölkerung stets verschwiegen werden, da sie „eine Panik“ auslösen würde.

Die faschistische Eruption verhält sich zur alltäglichen Verzweiflung wie das sprichwörtliche Ende mit Schrecken zum Schrecken ohne Ende. Von der Monotonie muss erzählt werden, dem Ertragen des Immergleichen im Angesicht der Hoffnungslosigkeit (mit der Furcht vor Veränderung im Nacken).

Ich lasse mich treiben. Ich spieße mich auf. Aus Schmerzen sollen Lüste werden.

Die Beschwörung der Toten

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Die Körper zucken, tot, doch geil.
Die Stimmen schwellen an zum Chor
und repetitiv sapscht das Geraune
noch an das letzte Ohr.

Sie kriechen schmatzend aus den Gräbern,
formen Rotten, bilden Herden.
Die stets für sich allein Verfaulten
wollen jetzt Teil des Ganzen werden.

Es stinken immer die Anderen,
man huldigt dem Vergessen,
spürt jetzt auf, was noch lebendig ist,
um sich daran satt zu fressen.

Treppengeister

treppengeister

Ich stehe zwischen all diesen Leuten, die mich in ihrer Mitte glauben. Sie flüstern mir Vertraulichkeiten zu und weihen mich in Geheimnisse ein. Sie halten mich für einen Freund, verwechseln meine ausgestellte Aufmerksamkeit mit Empathie. Sie werden überrascht sein, wenn ihnen dämmert, dass mein Mitgefühl sie nicht nur nicht ein- sondern ausdrücklich ausschließt.

An deiner Seite war selbst die Lüge wahr. Solange ich dich nach deinen Kapriolen auffing, schien alles zusammen zu passen. Erst als dein gebrochener Leib vor mir auf dem Pflaster lag, wurde mir klar, wie dumm ich gewesen war.

Unter Tage trete ich nicht. Das ist unverschämt und billig. Tradition zum Husten. Der Stolz der Sklaven: Die Würde bewahren im Angesicht der Hoffnungslosigkeit. Lebten sie noch, könnten wir nicht viel mit ihnen anfangen. Sie waren schroffe Charaktere von boshafter Sentimentalität; Genießer von Gemeinheiten. In die Enge getrieben, ersehnten sie Weite. Sie gehörten der Erde und träumten vom Meer.

Kanonenfutter. Perlen vor die Säue. Hier drifte ich weg, fantasiere mich in den Tagtraum. Die Geschichte meines Lebens: Wie ich lernte die Monotonie zu lieben. Protokoll einer Gehirnwäsche. Die Not kann tiefe Wunden reißen und manches Gewebe ist schlecht verheilt. Die Narben jucken bei schlechtem Wetter oder wenn Indianer in der Nähe sind. Die Haut vibriert. Es wird eng in der Brust. Man verhält sich ganz still, aber man möchte explodieren. Unterdrückte Wut. Unterdrückt weil ohne Grund und Ziel, aber das kann ja nicht sein, man grübelt, aber man kommt nicht drauf. Also sucht man nach Anlässen, die eine gerechte Empörung rechtfertigen. Oh, hallo, du bist also der Nazi in mir, nett dich kennen zu lernen, du hast mir gerade noch gefehlt. Weniger gut sein zu wollen, würde sich im Moment ganz gut anfühlen.

Umso konzentrierter man sucht, lehrt uns der moderne Horrorfilm, desto weniger wird man fündig. Die Erkenntnis – hier: der Schock – erfolgt stets im Augenblick der Entspannung.