Beware the Zombies of Death!

Beware the Zombies of Death

Bundestagswahl. Karrieristen im Pöstchenverteilungskampf. Öffentlich finanzierte Grinsefressenbilder überall. Selbst das „linke“ Kreuzchen fällt schwer, wo Sklavensprache von „gutem“ Geld für „gute“ Arbeit schwafelt. Ansonsten herrscht Konsens in Nazi Country: Eigentlich ist alles super. Es braucht nur mehr Bullen und weniger (kriminelle) Ausländer, was konkret mehr Prügel für die Unwilligen und noch mehr Ersoffene im Mittelmeer bedeutet. Auf eine solche Demokratie gehört geschissen. Nach Verlassen der Kabine Händewaschen nicht vergessen.

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Der Kommissar

Der Kommissar

Nur ne Nutte, meint der Kommissar.
Ein Mädchen, wie sie eines war,
hat sich ihrem Schicksal zu ergeben
ohne Hoffnung auf ein besseres Leben.

Der Versuch, dem Elend zu entkommen,
wird nicht einmal wahrgenommen.
Wer im Schmutz wühlt, der drängt nicht zum Licht.
Mitgefühl verdient ein solches Dasein nicht.

Und wir beginnen wild zu phantasieren,
zu den Bildern zu masturbieren
von Mädchen, wie sie eines war.
Nur ne Nutte, meint der Kommissar.

Polizeistadt

Polizeistadt

Auf die Frage, ob er die Kritik teile, dass die Störung des Ablaufs symbolischer Herrschaftsveranstaltungen nichts an den Verhältnissen ändere, antwortet Hermann L. Gremliza in der aktuellen Konkret (7/2017): „Auch verbeulte Polizisten ändern nichts. Und doch sind sie ein allen Göttern gefälligerer Anblick als die unverbeulten, die vor Jahren zu sechzig Prozent den von Springer als ‚Richter Gnadenlos’ gepuschten Fascho Schill gewählt haben und im September die neuen Nazis wählen werden.“
15000 dieser finsteren Gesellen – eine respektable Bürgerkriegsarmee – hielten in Hamburg ein zweiwöchiges Aufstandsbekämpfungsmanöver ab. Sie legten ihr Raster über die Stadt, in der ich lebe, kontrollierten, überwachten, rollten Stacheldraht aus, sperrten Straßen, übten Fahren im Konvoi und führten täglich ihre Maschinenpistolen Gassi. Jeder den herrschenden Dreck und damit auch den G20-Gipfel Missbilligende wusste, dass diese Waffen nicht seinem Schutz dienten, sondern tatsächlich in den Köpfen ihrer Träger längst auf ihn gerichtet waren. Mit der Ankunft der ersten auswärtigen Demonstranten wurde der polizeiliche Psychoterror unerträglich. Für die folgenden Tage und Nächte legte sich ein permanenter Hubschrauberlärm und eine ununterbrochene Abfolge von Sirenengeheul über das Rauschen der Stadt. Unter Missachtung von Gerichtsurteilen, Grund- und Menschenrechten folgten die ersten Knüppel- und Pfefferspray-Einsätze gegen ein Protestcamp. Die Schikanen nahmen jetzt kein Ende mehr. Die Polizei störte, was sie stören konnte. Aber als nach einem völlig ungerechtfertigten Wasserwerferangriff auf eine Demonstration erste Gegenwehr erfolgte, schien das polizeiliche Selbstbewusstsein in sich zusammenzufallen wie ein Kartenhaus. Nicht, dass die Bullies in Uniform ihr Verhalten änderten, aber von jetzt an wurde über Gefahr und Gewalt gejammert, dass die Schwarte krachte. Die Truppenstärke musste um 6000 Mann auf 21000 angehoben werden.
Genutzt hat es bekanntlich nichts. Die Situation geriet famos außer Kontrolle. Wer die Polizei nicht sowieso schon bekämpfte oder ihr zumindest die Pest an den Hals wünschte, schüttelte jetzt den Kopf über sie. Smartphone-Videos, in denen Steine flogen und Barrikaden brannten, genossen auch international mehr mediale Aufmerksamkeit als die offiziellen Händeschüttel-Grinse-Bilder der G20, was den symbolischen Wert des Großereignisses gegen Null gehen ließ. Propagandistisch lässt sich der Gipfel nur als Desaster bezeichnen. Ein voller Erfolg also, Spontanradikalisierung einiger genauer Beobachter inklusive.
Und es tut mir leid, aber für ein paar ausgebrannte PKW und den einen oder anderen ausgeräumten Supermarkt vermag ich mir ebenso wenig eine Träne abzudrücken wie für die zahlreichen Polizisten, die sich die Finger in der Autotür geklemmt oder an ihrem Schild verhoben haben.
Hamburg ist keine schöne Stadt, wie immer behauptet wird. Hamburg ist eine hässliche Stadt mit ein paar hübschen Ecken. Aber die letzten paar Tage war ich ganz gern Hamburger.

 

Der folgende, vor fast genau zehn Jahren schon an dieser Stelle veröffentlichte Text ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch noch von Interesse:

Agit 666 oder Warum die Autonomen unsere Freunde sind

Veröffentlicht am 23. Juli 2007

Heiter wie ein Seyfried-Cartoon kommen sie daher, cool wie die umherschweifenden Haschrebellen, manisch wie das Sozialistische Patientenkollektiv: die Autonomen. „Der schwarze Block“ – so tituliert sie die bürgerliche Kampfpresse mit Vorliebe und schon seit über 30 Jahren. Aber ein Block sind die Autonomen nun wirklich nicht. Sie sind nicht zackig, sie bellen keine Befehle, sie marschieren nicht. Die Gruppe in Bewegung gleicht eher einer Welle; langsam zwischen den Widerständen hin- und herschwingend, bis es an einer Seite überschwappt oder zumindest ein paarmal ordentlich spritzt.

We want the world and we want it now. Viele Autonome sind Punks, aber die vergessenen Hymnen der Bewegung sowie ihre gesamte Weltanschauung finden sich im Werk der Doors: die Pforten der Wahrnehmung öffnen, das Licht anzünden, zur anderen Seite durchbrechen, den Ödipus voll durchziehen und das Licht wieder ausmachen, wenn die Musik vorbei ist. And what can a poor boy do…? Mick Jagger und Keith Richards schrieben Street Fighting Man über sie und erklärten ihre Solidarität. Count me out / in. John Lennon haderte noch, aber eher mit sich selbst. Man denke an Power in the Darkness, den Song, in dem Tom Robinson sich stolz in die Front der als football hooligans, juvenile delinquents, lesbians and left-wing scum Beschimpften einreihte. Die Liste ist endlos. I fought the law and the law won. To live outside the law you must be honest. Kick out the jams, motherfuckers. Rock & Roll. Die Autonomen gehören zu uns. Punkt.

Autonome sind Adrenalinjunkies. Sie wollen die Straße erobern und sei es auch nur für ein paar Minuten. Sie atmen den Geist der Pariser Commune. Meint: Selbst wenn es nur 30 Tage dauert und bitter endet, jeder Moment von Herrschaftsfreiheit ist besser als der schleichende, langsame Tod, den der Kapitalismus zu bieten hat. Dumm, oder? So existenzialistisch! So romantisch! So männlich! Und gerade deswegen auch der Hintergrund für so manche amour fou und somit Wahlheimat gefallener Mädchen, die in der Regel ein vernünftiges Korrektiv in das unstete Leben ihrer etwas heißlaufenden und überschäumenden Kerle bringen. Irgendwann Anfang der 90er Jahre auf einem 1. Mai in Berlin-Kreuzberg bekam ich eine atemberaubend schöne Frau mit langen dunklen Haaren zu sehen, die in schwarzer Lederkluft lässig in einem Hauseingang lehnte und provozierend die schwarz-rote Syndikalistenflagge schwenkte, während die Polizei in Sichtweite vor sich hin wütete. Ist das Liebe?

Natürlich kann man sich fragen, ob es bei einem auf rein symbolischer Ebene ausgetragenen Konflikt nötig ist, echte Menschen zu verletzen. Wobei – seien wir ehrlich – das Wort Mensch in einem solchen Zusammenhang ausschließlich Polizisten zu meinen scheint. Den (…und hier geht’s von den Lippen) hart arbeitenden Beamten. Unterbezahlt. Erschöpft. Den kleinen, schlafenden Sohn nur noch kurz auf die Stirn geküsst, schon fällt er selbst in den Armen seiner jungen Frau in einen unruhigen Schlummer. Aber die Kriminalität schläft nicht und verfolgt ihn bis in seine Träume.
– Du kannst dir nicht vorstellen, was da draußen los ist, Schatz. Nein, schießen tun sie nicht auf uns. Aber sie lachen und machen freche Bemerkungen.

Die eigene Erfahrung kennt vielleicht hitzköpfiges oder borniertes Verhalten unter Autonomen, aber das Wort Brutalität würde einem dazu nicht einfallen. Das Gerücht von auf Demonstrationen massakrierten Polizisten macht zwar immer zu gegebener Zeit die Runde, aber die realen Toten hat die Gegenseite zu beklagen.

Geht ein Gespenst um in Europa? Es wäre an der Zeit…

Of Things to Come

Of Things to Come

Es soll schlimmer werden für uns alle. Das sehen die Planungen vor.

Man tut so, als habe man verstanden. Man nickt sich zu und lächelt abgeklärt.
Das Gesicht bleibt gewahrt. Auch das Zittern ist fast gar nicht zu sehen.

Der Gewinner ist eiskalt. Nur der Nazi, der menschelt.

Three Cool Cats

Three Cool Cats

Noch sind wir da, wenn auch vom Alltag geschunden und von Söldnern umringt. Die Wünsche möchten artikuliert werden. Wer das im Hinterkopf behält, sieht einiges klarer.

Jeden Tag bunkere ich Schuld durch Nicht- oder Falschtun. Dazu muss ich mir ein „Richtig“ imaginieren, das gerade so diffus definiert ist, dass es immer das Gegenteil von dem bleiben kann, was ich gerade mache. Kafka, ich kann dich trampeln hören!

Gekrochen kamst du später, hättest gern genippt an der Gleichgültigkeit, die du nicht einmal als gespielt erkanntest. Lausig warst du in all deinem Tun. Hoffentlich starbst du von Askese zerfressen.

Aufwendungen pfeifen

Aufwendungen pfeifen

Hudannit. Wer war’s und wen juckt’s? Am Ende wird gebeichtet und zurückgetreten ins imaginierte Glied. Es war ein Unfall, Herr Kommissar, der Tod nur ein Versehen. Aber abgeführt werden muss oder gestorben von fremder, manchmal auch eigener Hand. Das Schuldgefühl hat sich als Gleit- und Bindemittel historisch bewährt und verlangt nach Sühne wie das Ausstellen von Reue nach Autorität. Die Pflicht zum Habenwollen ist nun einmal keine Erlaubnis zum Habendürfen und schließlich der Witz an der ganzen Sache.

No rest for the wicked. Der Kapitalismus verschleudert seine Ressourcen. Erschöpfung macht sich breit. Alle gehen hustend und geduckt, die Ernüchterung im Blick. Die Viren haben leichtes Spiel.

Filmlogik: Die Wahrheit muss der Bevölkerung stets verschwiegen werden, da sie „eine Panik“ auslösen würde.

Die faschistische Eruption verhält sich zur alltäglichen Verzweiflung wie das sprichwörtliche Ende mit Schrecken zum Schrecken ohne Ende. Von der Monotonie muss erzählt werden, dem Ertragen des Immergleichen im Angesicht der Hoffnungslosigkeit (mit der Furcht vor Veränderung im Nacken).

Ich lasse mich treiben. Ich spieße mich auf. Aus Schmerzen sollen Lüste werden.