Trigger-Alarm

Trigger-Alarm

Woanders geht es anderen schlechter. Wer wollte dem widersprechen? Schließlich musste jeder verkochte Elternfraß im Bewusstsein fliegenbedeckter Kinderleichen hinuntergewürgt werden. Die Angst vor Elend, Schmerz und Tod sitzt mir seit meiner Kindheit im Nacken. Alle Lust, jedes Begehren, noch der kleinste Wunsch muss mit einem Schuldgefühl bezahlt werden, das bei den Elenden dieser Welt scheinbar nicht stark genug ausgeprägt ist. Untertanengeist rassistischer Provenienz, nicht ohne dialektische Eleganz, wie man zugeben muss. Wo tatsächlich doch erst der Verzicht, den wir üben müssen, um den täglichen Dreck überhaupt schlucken zu können, die Leichen produziert.

Es herrscht eine hektische, fast psychotische Betriebsamkeit, als könnte, wäre, würde nichts geschehen. Die Leute quetschen sich in Busse und Bahnen, fahren zur Arbeit, nach Hause, zu ihren Familien, Freunden, Verpflichtungen und Vergnügungen oder — betteln um Münzen, Hilfe, Liebe. Aber wo nichts ist, kommt auch nichts her. Die Zivilisation pfeift aus dem letzten Loch.

Positionen, deren Artikulation und Verteidigung bewegen die Welt, nicht schnödes Harmoniegeducke und braves Mitgeklatsche. Sich ganz klein zu machen hat noch nie geholfen gegen die Grausamkeit der Macht. Die nährt sich von Hilflosigkeit und wittert Verletzliches zielgenau. Dann doch lieber der heroische Abgang: Im Kugelhagel wie Butch Cassidy und Sundance Kid. Nach Möglichkeit noch ein paar von den Arschlöchern mitnehmen. Aloha Akbar oder wie das heißt. Positionen, deren Artikulation und Verteidigung, und sei es die beste.

My Rifle, My Pony & Me am 20. August 2016 auf dem Lindstock-Sommerfest, Seevetal

Lindstock1

Am Samstag, dem 20. August 2016 treten My Rifle, My Pony & Me im privaten Rahmen auf dem Lindstock-Sommerfest in Seevetal auf.
Das Programm besteht neben konzertanten und tänzerischen Darbietungen aus einer Fotoausstellung und Lesungen. (Auch meine Wenigkeit wird das eine oder andere Bonmot zum Besten geben). Die Veranstaltung beginnt um 15.00 Uhr. Bei Interesse setzt euch mit mir in Verbindung.

U-Bahn-Texte III: (Er)zählen

(Er)zählen

Die Luft entwich mit einem Zischen. Der Gedanke, haltlos, ließ sich willig in die Leere reißen.

Mein süßes Häufchen Hühnerscheiße, tot war ich noch nicht. Nur mein Charakter, der wollte sich nicht entwickeln, und mein Handeln, das blieb steif.

Angewidert erbrach ich die verbotene Frucht zurück auf den Teller. Du wirktest enttäuscht und hieltst mir dein Glas hin. Ich schüttelte den Kopf. Ich trank keinen Alkohol. Ich wollte Opium mit dir rauchen.

Der Sand knirschte zwischen meinen Zähnen. Du starrtest zitternd und geräuschlos vor dich hin schluchzend ins Leere. Ich legte eine Decke über deine bebenden bloßen Schultern und ließ dich mit deinem Schmerz allein. Ich ekelte mich vor mir selbst. All das würde ein Ende haben. Bald.

Heute fand ich einen toten Wolf im Wald. Ein böser Wind zog auf vom Meer. Du bist fort nun eine Woche bald. Ich fürchte, lebend schaffst du’s nicht mehr her.